Immer um den städti­schen Feiertag Sankt Leodegar organi­sieren die Jungfrei­sin­nigen der Stadt Luzern das schweizweit grösste Polit-Battle für Jungpo­li­tiker. Bereits zum siebten Mal traf man sich zum alljähr­lichen Leodegar Polit-Battle.

 

Obwohl die Location jedes Jahr grösser wird, hat sich am Konzept nichts geändert: Battles von rund einer Viertel­stunde mit einer anschlies­senden offenen Diskussion, bei der sich die Zuhörer ebenfalls mit Fragen, Argumenten oder Meinungen betei­ligen können. Wie auch jedes Jahr steht der Spass im Vorder­grund und genau deshalb können sich die Debat­tie­renden auch Aussagen erlauben, die politisch betrachtet nicht als ganz korrekt gelten. Moderiert und durch den ganzen Abend begleitet von Lucas Zurkirchen, Präsident der Jungfrei­sin­nigen Stadt Luzern und Marco Marinelli, ehemals Jungfrei­sin­niger und jetzt im Vorstand der FDP Stadt Luzern tätig.

 

Mit dem umstrit­tenen Thema „Vater­schafts­urlaub“ legte das diesjährige Battle einen guten Start hin. Patrick Zibung von der JSVP argumen­tierte mit den hohen Kosten, die durch den Vater­schafts­urlaub entstehen, wohin­gegen die zwei Befür­wor­te­rinnen, Esther Hagmann von der JCVP und Judith Schmutz von den Jungen Grünen, vor allem das Gleich­be­rech­ti­gungs­ar­gument ins Gefecht führten. Darüber hinaus stellten sie das Kindeswohl ins Zentrum und begrün­deten ihre Argumen­tation damit, dass es essen­tiell sei, dass der Vater eine Beziehung zum Kind aufbauen kann. Auch als die Diskussion für alle Anwesenden eröffnet wurde, stritt man sich darüber, ob es nicht auch eine Frage der Eigen­ver­ant­wortung sei, denn der Vater könne ja seine Ferien für diese wichtige Zeit nutzen.

 

Nach der hitzigen Debatte ging es mit ein bisschen Verspätung ohne Pause direkt zum nächsten Battle. Lügen­presse – das Unwort des Jahres 2014. Fake News und alles was dazugehört wurde heftig von Mohamed Abdirahim von der JUSO, Wangdü de Silva der JGLP, Lukas Getzmann aus der JSVP und Flavius Steiner der JCVP disku­tiert. Obwohl es kein typisches Pro – Kontra Thema ist, wurde darüber debat­tiert wie Populismus genutzt wird und welche Folgen unwahre Nachrichten in den Medien auf die Gesell­schaft haben. Es wurde kein Konsens gefunden, ob Fake News wirklich zu einer Entmün­digung der Gesell­schaft führt, jedoch vertraten alle den Stand­punkt, dass populis­tische Massnahmen in der Politik genutzt werden, diese aber sicherlich nicht durch staat­liche Regula­tionen behoben werden sollten. Ein angemes­sener Umgang wäre wohl am zielfüh­rendsten.

Nach einer kurzen Pause, in der man den Durst mit Bier und Softdrinks löschen konnte, ging es sogleich in die nächste Runde. Nun stand die strittige Proble­matik: Alters­vor­sorge – wie weiter? auf dem Programm. Luzian Franzini von den JG, Muriel Waeger aus der JUSO, Marco Baumann von den Jungfrei­sin­nigen und Tobias Vögeli aus der JGLP suchten zuerst die Gründe für das Abstim­mungs-Nein, bevor mögliche Lösungs­vor­schläge von der Fusio­nierung der 1. und 2. Säule über die 99% Initiative der JUSO bis zur Anpassung des Renten­alters dispu­tiert wurden.

Das BÜPF-Referendum und Nachrich­ten­dienst­gesetz waren Begriffe, die im vierten Battle „Sicherheit versus Freiheit“ im Zentrum standen. Nadia Kuhn von der JUSO und der Jung SVPler Christian Huber waren sich einig, dass bei zu viel Überwa­chung der einzelne Bürger leidet. Am Battle betei­ligten sich auch Andreas Rippstein, JGLP und Lukas Graf aus der JCVP, der die Überwa­chung unter anderem mit der genügend gesetz­lichen Grundlage recht­fer­tigte.

Die Teilnehmer konnten sich vor dem nächsten Battle ihren Hunger mit selbst­ge­machten Sandwiches stillen, denn die darauf­fol­gende Diskussion war keine leichte Kost. Jill Nussbaumer von den Jungfrei­sin­nigen debat­tierte mit Bruno Martin, Vorstand der Vollgeld-Initiative. Ob diese tatsächlich eine Sicherung des Schweizer Marktes und Banken­wesen darstellt oder doch nur die Wirtschafts­freiheit einschränkt, müssen wir uns wohl alle bis nächstes Jahr überlegen, nämlich spätestens dann, wenn die Initiative vors Volk kommt. Dieses Battle, geprägt von markt­wirt­schaft­lichen Argumenten und oft sehr techni­schen Begriffen war definitiv eine Exper­ten­runde. Nicht­des­to­trotz meldeten sich einige Zuhörer und betei­ligten sich an der Diskussion.

Den Abschluss machte die Debatte über die Digita­li­sierung und welche Folgen diese auf die Politik und Gesell­schaft hat. Jonas Ineichen von der JUSO disku­tierte mit Linus Bürgi, Vertreter der Jungen Grünen und Janik Steiner von der JGLP über die möglichen Auswir­kungen der vierten Revolution. Snapchat, Facebook, Twitter und Instagram sind schon seit längerem alltäg­liche Instru­mente und Kommu­ni­ka­ti­ons­kanäle für die Politik. Alle waren sich einig, dass die Digita­li­sierung Gefahren mit sich bringt, welche aller­dings mit den passenden Massnahmen, wie beispiels­weise Block­chain, auf ein Minimum verkleinert werden können. Wichtig ist es, die techni­schen Entwick­lungen als eine Chance zu sehen. Und vielleicht steht mithilfe der nötigen Sicher­heits­mass­nahmen dem E‑Voting bald nichts mehr im Wege.

Wie jedes Jahr war die Stimmung heiter und ein fried­liches Zusam­mensein ermög­lichte spannungs­ge­ladene und vielseitige Diskus­sionen über das ganze politische Spektrum hinweg, von links bis nach rechts. Wir alle freuen uns bereits jetzt auf den Schlag­ab­tausch im nächsten Jahr!

 

Für Fragen: Lucas Zurkirchen, Präsident JFSLU, lucas.zurkirchen@gmail.com, 079 391 80 50
Bericht­erstattung: Eliane Spirig, JFSLU


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