Auch dieses Jahr organi¬≠sierten die Jungfrei¬≠sin¬≠nigen der Stadt Luzern das schweizweit gr√∂sste Polit-Battle f√ľr Jungpo¬≠li¬≠tiker. Neu waren zum einen die Location und zum anderen die M√∂glichkeit f√ľr das Publikum, live mit dem Smart¬≠phone abzustimmen und so seine Meinung kundzutun.

Lucas Zurkirchen, Pr√§sident Jungfrei¬≠sinnige Stadt Luzern, begr√ľsste am 4. Oktober 2018 die knapp 80 Teilnehmer im Pool im Neubad Luzern und startete sogleich den Event mit einer Live Umfrage, auf welches Battle sich die Teilnehmer am meisten freuten. Die Teilnehmer stimmten eifrig mit ihren Smart¬≠phones ab und das auf die Leinwand proji¬≠zierte Resultat zeigte, dass sich die Mehrheit auf die Debatte √ľber die Selbst¬≠be¬≠stim¬≠mungs¬≠in¬≠itiative freute. Das Battle √ľber die Laden¬≠√∂ff¬≠nungs¬≠zeiten fand im Vorfeld noch nicht so viele Anh√§nger, rund 3% w√§hlten dieses Battle als ihren Favoriten.

Am altbe¬≠w√§hrten Konzept ‚Äď Debatten von rund 20 Minuten mit anschlies¬≠sender Diskussion und Fragen sowie Meinungen aus den Zuh√∂rerreihen ‚Äď √§nderte sich nichts.

Den Anfang machte das Battle √ľber die Unter¬≠neh¬≠mens¬≠ver¬≠ant¬≠wor¬≠tungs¬≠in¬≠itiative, auch als Konzern¬≠in¬≠itiative bekannt. Als Bef√ľr¬≠worter der Initiative debat¬≠tierten Jonas Ineichen von der JUSO und Samuel Zbinden der Jungen Gr√ľnen. Ihre Kontra¬≠henten waren Lukas Birrer von den Jungfrei¬≠sin¬≠nigen und Patrick Zibung der JSVP. Heftig disku¬≠tiert wurde die Frage, ob gem√§ss dem Initia¬≠tivtext KMU ausge¬≠schlossen sind oder nicht. Laut den Bef√ľr¬≠wortern erfasst die Unter¬≠neh¬≠mens¬≠ver¬≠ant¬≠wor¬≠tungs¬≠in¬≠itiative die KMU nicht. Patrick Zibung konterte dieses Argument mit dem Initia¬≠tivtext selbst, wonach auf KMU R√ľcksicht genommen werden sollte und von einem Ausschluss nicht die Rede ist. F√ľr ihn sei die Initiative ein Etiket¬≠ten¬≠schwindel. Lukas Birrer unter¬≠st√ľtzt die Kontra-Seite und √§usserte seine Bedenken, dass mit der Einf√ľhrung dieses Gesetzes jedes Unter¬≠nehmen unter General¬≠ver¬≠dacht gestellt w√ľrde. Die Bef√ľr¬≠worter, insbe¬≠sondere Jonas Ineichen, betonten, dass ‚Äědoch jedes Gesetz Leute unter einen General¬≠ver¬≠dacht stellt‚Äú. Im Anschluss an die darauf¬≠fol¬≠gende offene Diskussion konnten die Teilnehmer √ľber die Initiative abstimmen und an diesem Abend im Neubad wurde die Vorlage mit 51.2% Nein Stimmen abgelehnt. Der Ja Anteil betrug 46.5%, 2.3% der Zuh√∂rer waren noch unschl√ľssig.

Das zweite Battle, moderiert von Swen Gaberth√ľel der Jungfrei¬≠sin¬≠nigen Stadt Luzern, behan¬≠delte die Idee eines allge¬≠meinen B√ľrger¬≠dienstes und ob dieser die Wehrpflicht abl√∂sen sollte. Gegen diesen Vorschlag debat¬≠tierte Jona Studhalter von den Jungen Gr√ľnen, insbe¬≠sondere mit dem Argument, es sei nichts anderes als Zwangs¬≠arbeit. Unter¬≠st√ľtzung erhielt er von Victor Kadlub¬≠owski von der JCVP. F√ľr einen allge¬≠meinen B√ľrger¬≠dienst sprachen Anne-Sophie Morand von den Jungfrei¬≠sin¬≠nigen und David Limacher von der JGLP. Um die Pro-Seite zu unter¬≠st√ľtzen erw√§hnte Anne-Sophie Morand das Zitat von Wilhelm von Humboldt: ‚ÄěDenn ohne Sicherheit ist keine Freiheit‚Äú. Die Bef√ľr¬≠worter stellten sich auf den Stand¬≠punkt, dass ein allge¬≠meiner B√ľrger¬≠dienst das Wir-Gef√ľhl st√§rke, dagegen konterten die Gegner, dass eine Pflicht auferlegt werde, welche de facto einen staat¬≠lichen Zwang darstelle.

Das dritte Battle, Laden¬≠√∂ff¬≠nungs¬≠zeiten in der Stadt Luzern, wurde von Marco Baumann als Moderator geleitet. Den Start machte die Liveab¬≠stimmung mit der Frage: ‚ÄěWo und wann gehst Du jeweils Deine Lebens¬≠mittel einkaufen?‚Äú. Genau die H√§lfte der Teilnehmer gaben an, dass sie im Detail¬≠handel w√§hrend den offizi¬≠ellen Luzerner √Ėffnungs¬≠zeiten einkaufen gehen. Die restlichen erledigen ihre Eink√§ufe beim Bahnhof oder an Tankstellen, also ausserhalb der offizi¬≠ellen Luzerner √Ėffnungs¬≠zeiten oder sogar in einem anderen Kanton. Nur knapp 5% gaben an, dass sie im Ausland ihre Eink√§ufe t√§tigen. Vehement gegen l√§ngere Laden¬≠√∂ff¬≠nungs¬≠zeiten war Dennis Bucher der JUSO: ‚ÄěDer Detail¬≠handel ist bereits unter¬≠be¬≠zahlt und wenn zus√§tzlich noch l√§ngere Laden¬≠√∂ff¬≠nungs¬≠zeiten einge¬≠f√ľhrt werden, ginge dies eindeutig zu weit‚Äú. Janik Steiner von der JGLP, der mit dem Vertreter der JCVP, Flavius Steiner die Bef√ľr¬≠worter Seite bildete, konterte, dass genau diese Randzeiten beliebte Arbeits¬≠zeiten w√§ren, insbe¬≠sondere f√ľr Studenten. Dennis Bucher hob hervor, dass den kleineren Unter¬≠nehmen schlichtweg die Ressourcen fehlen w√ľrden, um ihre Laden¬≠√∂ff¬≠nungs¬≠zeiten zu verl√§ngern. Flavius Steiner setzte auf das Bed√ľrfnis der Gesell¬≠schaft und argumen¬≠tierte, dass, wenn er am Samstag in den Laden gehe, die meisten Regale leer gekauft seien. Dies zeige doch klar auf, dass ein Wunsch, gar ein Bed√ľrfnis vorliege, um samstags einkaufen zu gehen. Janik Steiner f√ľhrte weiter aus, dass es mit einer Erwei¬≠terung der √Ėffnungs¬≠zeiten unabdingbar sei, gute Kondi¬≠tionen in einem Gesamt¬≠ar¬≠beits¬≠vertrag zu regeln. Obwohl diese Debatte gem√§ss der Einstiegs¬≠frage nur von wenigen mit Spannung erwartet wurde, bewegte sie die Teilnehmer und verbuchte die meisten Wortmel¬≠dungen aus dem Publikum. Das Live Voting pr√§sen¬≠tierte, dass 53.8% der Anwesenden sich l√§ngere √Ėffnungs¬≠zeiten w√ľnschen.

Den Abschluss machte die Diskussion √ľber die kommende Abstimmung der Selbst¬≠be¬≠stim¬≠mungs¬≠in¬≠itiative. Lucas Zurkirchen stellte sich als Moderator zwischen die Fronten dieses Pr√§si¬≠denten-Battles von Christian Huber, JSVP, auf der Pro-Seite und Lorena Stocker, JUSO, auf der Kontra-Seite. Als erstes Argument f√ľhrte Christian Huber an, dass die Bundes¬≠ver¬≠fassung nicht der EMRK wider¬≠spreche und dadurch das V√∂lker¬≠recht durch die Initiative nicht gef√§hrdet werde. Im Jahre 2012 f√§llte das Bundes¬≠ge¬≠richt ein Urteil, welches inter¬≠na¬≠tio¬≠nales Recht √ľber die Verfassung stellte. Den durch den Entscheid einge¬≠schr√§nkten Handlungs¬≠spielraum m√∂chte Christian Huber wieder zur√ľck¬≠er¬≠langen. F√ľr Lorena Stocker ist die Initiative gef√§hrlich, denn mit einer Annahme m√ľssten viele Abkommen, welche die Schweiz einge¬≠gangen ist, gek√ľndet werden. √úberdies betont sie klar, dass: ‚ÄěMenschen¬≠rechte weder k√ľndbar noch verhan¬≠delbar sind‚Äú. Bei dieser hitzigen Debatte wurde schnell klar, dass die Kontra¬≠henten nicht uneiniger sein konnten und wie verh√§rtet die Fronten bei diesem Thema weiterhin sind. So wurde vor der Schluss¬≠ab¬≠stimmung heftig mit Einbezug der Zuschauer disku¬≠tiert. Die Live Abstimmung zeigte ein eindeu¬≠tiges Resultat auf: 70.2% werden am 25. November 2018 ein Nein in die Urne legen, wohin¬≠gegen sich lediglich 21.3% sich f√ľr ein Ja entschieden haben. 8.5% haben sich ihre Meinung noch nicht gebildet.

Obwohl das Polit-Battle an einer neuen Location stattfand, war es wie jedes Jahr ein √§usserst spannender Schlag¬≠ab¬≠tausch zwischen den Jungpar¬≠teien mit anschlies¬≠senden Liveum¬≠fragen f√ľr das Publikum. Wir freuen uns bereits jetzt auf den #Leodegar19!


Text: Eliane Spirig, Vorstands­mit­glied Jungfrei­sinnige Stadt Luzern
Fotos: Salomé Walthard, Vorstands­mit­glied Jungfrei­sinnige Stadt Luzern

 

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